ars electronica Festival 2019 | Music Monday | Press Review

Three very favourable reviews (in German) for the Namekawa/Davies concert as well as the Austrian Premiere of the Piano Sonata by Philip Glass.

 

Oberösterreichisches Volksblatt, 11.09.2019 (S. 25)

Ars-Finale: Dennis Russell Davies bearbeitete den „Feuervogel“

Von Christian Pichler

Da stößt digitale Kunst noch an ihre Grenzen, ist bestenfalls nette Illustration. Igor Strawinskys „Der Feuervogel“, kombiniert mit Echtzeit-Grafiken des österreichischen Künstlers Cori O’lan: wabernde kristalline Strukturen, Pflanzliches, Fäden, die sich zum Organismus verknüpfen, 3D-Illusion auf breiter Leinwand. Vom Computer erzeugter Tanz der Formen, analysiert anhand von zwei über dem Klavier befestigten Mikrophonen. Gefällig, doch nur matter Abglanz. Die Empfindungen, die diese Musik auslöst, sind komplexer, farbiger, tiefer.

Betörendes Konzert

Letzter Tag der Ars Electronica, ein betörendes Konzert am Montag, dem traditionellen Musiktag. Dennis Russell Davies, noch bestens erinnerlich als Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz (bis 2017), hat Strawinskys Orchestermusik für Klavier zu vier Händen bearbeitet. Davies selbst und Maki Namekawa brachten das Werk in der Gleishalle am Linzer Hauptbahnhof zur Aufführung. Sinnlich und unbändig, expressionistisch mit impressionistischen Tupfern, von den Interpreten all die Fülle zwischen Strenge und Verspieltheit in dynamischer Balance gehalten.

Davies der Ruhepol, elegant und gemessen, Namekawa immer auch ein optisches Vergnügen. Die Japanerin nach außen impulsiver, körperlich die Intensität ihres Spiels. Nach der Pause Namekawa solo am Klavier, sie spielt die erste Klaviersonate von Philip Glass, die der New Yorker Komponist ihr, einer künstlerischen Weggefährtin, gewidmet hat. Das Glass-typische Fließen, die „Wassermusik“, versehen mit halsbrecherischen Sprüngen, die nur mit der Virtuosität einer Namekawa zu bewältigen sind. Der mittlere Teil intim, ein Auskosten der Stille auch, in schönen Bögen schwebt die rechte Hand über die Tasten. Ein sensibler Dialog, als hätte der Komponist ein Zwiegespräch mit der Pianistin vor Augen gehabt. Wilder Schlussakkord, Jubel in der Gleishalle. Namekawa verweist auf die Grafikfläche, doch vergebliche Liebesmüh. Die Begeisterung gilt ihr, der hinreißenden Musikerin.

Namekawas großartiges Spiel wurde mit digitaler Kunst illustriert.

 

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Kronen Zeitung, 11.09.2019 (S. 46)

Ein pianistisches Superereignis

Das perfekt harmonisierende Piano-Duo Maki Namekawa und Dennis Russell Davies begeisterte beim Abschlusskonzert des Ars Electronica Festivals mit dem Projekt „Piano Music meets Digital Images“ in der Gleishalle der Postcity. Die kreative und farbenprächtige Visualisierung von Cori O’Lan geleitete die Musik.

Das Musikprogramm begann mit dem anspruchsreichen „Der Feuervogel“ von Igor Stravinsky, in einer ideenreichen Version zu vier Händen von Russell Davies. Mit technischer Bravour und abwechslungsvoller Gestaltung beeindruckte die brillante Interpretation. Die österreichische Erstaufführung der „Piano Sonata No.1 for Maki Namekawa“ von Philip Glass wurde zum pianistischen Superereignis. Maki Namekawa faszinierte mit Virtuosität sowie leidenschaftlicher Hingabe und meisterte das sprunghafte mit aufregenden Rhythmen gespickte Paradewerk bewundernswert. Das gesamte Musikprogramm wurde von den rund 500 Zuhörern mit hörbarem Vergnügen wahrgenommen. Die direkte Begegnung zwischen dem musikalischen Klang und den farbenprächtigen digitalen Bildern von Cori O’Lan lieferte ein Spannungsfeld von kreativer Vielfalt. Staunenswert war, dass der Klang in Echtzeit von einem Computer analysiert wurde und die Parameter für die Grafiken lieferte. Es war eine Meisterleistung der visuellen Gestaltung. Große Begeisterung für das Pianistenpaar und den österreichischen Visual Artist Cori O’Lan.

 

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 Salzburger Nachrichten, 10.09.2019

 

Ars-Electronica-Abschluss: Klaviermusik mit Visualisierung

Mit einem digital visualisierten Klassikkonzert hat Montagabend in der Linzer PostCity das 40. Ars Electronica Festival geendet. Auf dem Programm des von Maki Namekawa und Dennis Russell Davies gespielten Klavierkonzerts stand die von Davies für vier Hände bearbeitete Ballettmusik “Der Feuervogel” von Igor Strawinsky sowie “Piano Sonata No.1 for Maki Namekawa” des Erfolgskomponisten Philip Glass.

Das 40. Ars Electronica Festival ist beendet Die beiden Programmpunkte wurden vom österreichischen Visualisten mit Künstlernamen Cori O’Lan mit spektakulären Videos begleitet. Den Angaben zufolge erfolgte alles in Echtzeit und ohne vorbereitete Bildsequenzen.

Lediglich der Klang des direkt über zwei Mikrofone aufgenommenen Klaviers sei am Computer analysiert worden und habe so die Parameter geliefert, mit denen die Grafiken erzeugt, animiert und verändert wurden – live im Moment der Aufführung. Dem Laien blieb der Vorgang unerklärlich. Das Ergebnis war jedoch sensationell.

In unglaublich perfekter Synchronisation mit der Musik bewegten sich im “Feuervogel” die einem echten Ballett nachempfundenen Figuren und Bildelemente auf der rund 20 Meter langen und vier Meter hohen Videowall. Die knapp einstündige Präsentation nahm die rund 500 Besucher total in Bann.

Die pianistische Leistung von Maki Namekawa und ihres Mannes Dennis Russell Davies stand den Visuals in keinem Moment nach. Davies, der von 2002 bis 2017 Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz und Linzer Generalmusikdirektor war, hatte ab 2003 die Zusammenarbeit des Orchester mit der Ars Electronica betrieben, deren jährlicher Höhepunkt die “Große Konzertnacht” in der einstigen Gleishalle des Postverteilungszentrums in Linz war.

Die künstlerische Freundschaft zwischen Glass und Davies hatte in seiner Linzer Zeit zu zahlreichen Konzert- und Opern-Aufführungen des amerikanischen Komponisten geführt.

Die im heurigen Sommer in Deutschland uraufgeführte Klaviersonate Nr. 1 folgte in ihren drei Sätzen den von Glass’ früheren Arbeiten vertrauten Stilelementen – durchaus melodisch, mit wiederholten Themen und perlenden Tastenläufen und so auch für die digitale Visualisierung geradezu perfekt. Maki Namekawa, mit dem Schaffen von Philip Glass bestens vertraut, nahm sich dem ihr gewidmeten Werk mit Virtuosität und innerer Anteilnahme an. Es herrschte große Begeisterung bei den Zuhörern.